Logo

Split-Screen-Grafik: Links eine Low-Code-Oberfläche mit Formularfeldern, Buttons, Dropdowns und Drag-and-Drop-Cursor; rechts ein angedeuteter Code-Editor ohne lesbare Buchstaben. Überschriften "Low-Code" und "Code" markieren die beiden Bereiche.
SoftwareentwicklungLow-CodeBeratung

Low Code vs. Individualentwicklung: Was passt zu welchem Unternehmen?

Stefan Müller

·

05.01.2026, 18:00

Digitale Transformation ist längst kein Nice-to-have mehr, sondern Kern moderner Unternehmensstrategie. Doch bevor eine Organisation neue Software einführt oder bestehende Prozesse digitalisiert, steht sie vor einer grundlegenden Entscheidung: Low Code oder Individualentwicklung?

Beide Wege können stark sein - aber nur, wenn sie zum Reifegrad, den Zielen und der digitalen Architektur des Unternehmens passen. Was wir bei Lucent Code in Beratungsprozessen immer wieder sehen: Viele Unternehmen treffen diese Entscheidung zu schnell, aus dem Bauch heraus oder nur aufgrund kurzfristiger Kostenüberlegungen.

Dabei hat die Wahl weitreichende Konsequenzen für Skalierbarkeit, Integration, Sicherheit, Zukunftsfähigkeit und Innovationsgeschwindigkeit.

In diesem Artikel schauen wir uns deshalb strategisch an:

  • Wo Low Code glänzt - und wo es limitiert
  • Warum Individualentwicklung mehr ist als "teurer Code"
  • Welche Denkfehler Unternehmen häufig machen
  • Wie man fundiert entscheidet, bevor man Ressourcen bindet

Und vor allem: Wie Unternehmen vermeiden, später in Sackgassen zu geraten.

Die eigentliche Herausforderung: Software soll Probleme lösen - nicht neue schaffen

Viele Organisationen stehen vor ähnlichen digitalen Herausforderungen:

  • Prozesse sind historisch gewachsen und schwer integrierbar
  • Unterschiedliche Abteilungen nutzen verschiedene Tools
  • Manuelle Workflows verursachen Fehler und Zeitverluste
  • IT-Teams sind ausgelastet, Projekte warten auf Umsetzung
  • Daten liegen verteilt und isoliert (Datensilos)

In dieser Situation wirkt Low Code oft wie die attraktivste Option:
schnell, kosteneffizient, visuell und leicht zu bedienen.

Aber die Realität ist komplexer. Während Low Code hervorragende Möglichkeiten bietet, kann es ebenso schnell an Grenzen stoßen, wenn Unternehmen wachsen, sich Anforderungen ändern oder tiefere Integrationen benötigt werden.

Das bedeutet nicht: „Low Code ist schlecht“.
Es bedeutet: Man braucht Klarheit über den tatsächlichen Bedarf.

Low Code im Realitätscheck: Schneller Einstieg - begrenzte Evolutionsfähigkeit

Die Stärken von Low Code

Low-Code-Plattformen bieten deutliche Vorteile:

  • Schnelles Prototyping ohne lange Entwicklungszyklen
  • Weniger Abhängigkeit von großen Entwicklerteams
  • Gute Eignung für einfache interne Tools
  • Visuelle Modellierung statt komplexer Code-Strukturen
  • Idealer Einstieg für Fachabteilungen (Citizen Development)

Für viele Unternehmen ist das ein entscheidender Vorteil:
Sie können schnell starten und erste digitale Prozesse automatisieren.

Die unterschätzten Limitierungen

Sobald Anforderungen steigen, werden Low-Code-Systeme aber schnell komplexer und teurer:

  • Eingeschränkte Flexibilität bei Sonderlogik
  • Höhere Kosten bei wachsender Nutzerzahl oder Funktionen
  • Proprietäre Systeme → Risiko von Vendor Lock-in
  • Schwierige Integration komplexer APIs oder Legacy-Systeme
  • Eingeschränkte Performance-Tuning-Möglichkeiten
  • Begrenzte individuelle UI/UX-Anpassungen

Und besonders kritisch:

Low-Code-Plattformen stoßen an ihre Grenzen, wenn Unternehmen Software benötigen, die einen echten Wettbewerbsvorteil schafft. Das betrifft Anwendungen, die spezielle Prozesse, Abläufe oder Funktionen abbilden, die für das Geschäftsmodell entscheidend sind und sich nicht einfach mit Standardmodulen oder Baukastensystemen umsetzen lassen. Viele Organisationen stellen leider erst spät fest, dass sie durch die Plattform limitiert sind - und nicht ihre Ideen.

Zwei Personen arbeiten gemeinsam in einem modernen, technologischen Workspace: Links bedient eine Business-Person einen großen Low-Code-Touchscreen mit UI-Bausteinen, rechts sitzt ein Entwickler an einem holografischen Code-Editor.

Individualentwicklung: Maximale Freiheit, maximale Passgenauigkeit

Stärken der Individualentwicklung

Mit maßgeschneiderter Software lassen sich Geschäftsprozesse exakt abbilden - ohne Workarounds, ohne Kompromisse.
Vorteile sind u. a.:

  • Unbegrenzte Flexibilität & volle Kontrolle
  • Präzise Abbildung des Geschäftsmodells
  • Nahtlose Integration in IT-Landschaften
  • Skalierbarkeit für zukünftiges Wachstum
  • Höchste Sicherheits- und Datenschutzanforderungen
  • Individuelles UX/UI-Design
  • Keine Abhängigkeit von Plattformlizenzen

Für Unternehmen, deren digitale Prozesse Kern des Erfolgs sind, ist Individualsoftware meist der nachhaltigste Weg.

Die Herausforderungen

Natürlich hat Individualentwicklung auch Anforderungen:

  • Höhere initiale Kosten
  • Längere Projektlaufzeit beim Start
  • Notwendigkeit eines erfahrenen Umsetzungspartners
  • Planungsaufwand im Vorfeld
  • Wartung der Software muss mitgedacht werden

Das klingt zunächst nach Mehraufwand - zahlt sich aber aus, wenn die Lösung langfristig wachsen, integriert werden oder Wettbewerbsvorteile schaffen soll.

Die häufigsten Denkfehler bei der Wahl zwischen Low Code und Individualentwicklung

Unternehmen entscheiden sich häufig auf Basis von Fehleinschätzungen. Die häufigsten sind:

„Low Code ist immer günstiger.“

Kurzfristig: Ja.
Langfristig: Häufig nicht.
Lizenzen, Erweiterungen, Plattformfeatures und Integrationen öffnen oft kostspielige Schleusen.

„Unsere Anforderungen sind einfach.“

In der Praxis stellt sich oft heraus:
Die Einzelfälle, Ausnahmen und Spezialprozesse sind die Herausforderung.

„Wir starten mit Low Code und wechseln später.“

Der spätere Wechsel ist oft teuer, weil die Logik und Datenmodelle nicht exportierbar sind.

„Low Code macht uns unabhängig von der IT.“

In Wahrheit benötigt man weiterhin technische Expertise - nur anders verteilt.

„Individualentwicklung bindet uns stärker an externe Partner.“

Mit professioneller Software-Architektur und sauberer Dokumentation ist genau das Gegenteil der Fall.

Die Frage: Was will Ihr Unternehmen eigentlich digital erreichen?

Die Wahl „Low Code vs. Individualentwicklung“ ist keine technische Entscheidung - sie ist eine strategische Unternehmensentscheidung.

Dabei spielen folgende Faktoren eine entscheidende Rolle:

  • Reifegrad der Digitalprozesse: Wie klar sind Anforderungen, Workflows und Zielbilder?
  • Strategische Bedeutung des digitalen Produkts: Ist es ein interner Helfer oder ein Kernbestandteil des Geschäftsmodells?
  • Integrationsbedarf: Müssen Systeme, APIs, Datenmodelle, Rollenmodelle oder Rechtekonzepte angebunden werden?
  • Wachstum und Skalierbarkeit: Soll die Lösung in 1, 3 oder 5 Jahren erweitert werden?
  • Sicherheits- und Compliance-Anforderungen: Besonders relevant für Behörden, Verbände und regulierte Branchen.
  • Benutzergruppen & Anforderungen an UX/UI: Standard-UI oder eigenes Interaction-Design?
  • Interne technische Kompetenzen: Können Low-Code-Tools intern betrieben werden?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, kann eine Entscheidung wirklich tragen.

Der strategische Entscheidungsleitfaden

Hier ist ein vereinfachtes Modell, das wir in Beratungsprozessen häufig nutzen:

Low Code ist sinnvoll, wenn…

  • die Lösung ein internes Tool ohne oder mit sehr wenig Speziallogik ist
  • schnelle Umsetzung wichtiger ist als Perfektion
  • Prozesse standardisierbar sind
  • wenige Integrationen nötig sind
  • die Applikation nur von bestimmten Teams genutzt wird
  • ein MVP gebaut werden soll
  • Budget & Zeit erheblich begrenzt sind

Individualentwicklung ist sinnvoll, wenn…

  • Software ein strategischer Erfolgsfaktor ist
  • komplexe oder häufig wechselnde Anforderungen existieren
  • tiefe Systemintegrationen notwendig sind
  • hohe Sicherheitsanforderungen bestehen
  • Performance, Skalierbarkeit und Datenqualität entscheidend sind
  • eigene UX/UI ein Wettbewerbsvorteil darstellt
  • langfristige Kostenoptimierung Priorität hat

Hybrid-Ansätze funktionieren ebenfalls - aber bewusst eingesetzt.

Beispielsweise:

  • Low Code als UI / Frontend
  • Individueller Backend-Kern
  • Orchestrierung über APIs
  • Standardmodule + individuelle Erweiterungen

Der Schlüssel ist, die Grenzen beider Welten zu kennen und sauber zu trennen.

Fazit: Entscheidungen gehören analysiert - nicht improvisiert

Unternehmen scheitern selten an Technologie.
Sie scheitern häufig an Fehlentscheidungen bei der Technologieauswahl.

Low Code kann ein hervorragender Weg sein, um schnell mit der Entwicklung zu starten oder einen ersten Prototypen zu entwickeln. Individualentwicklung ist der richtige Weg, wenn digitale Prozesse ein Wettbewerbsvorteil oder zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie sind oder wenn es sehr klare Vorstellungen von UI/UX oder Abläufen gibt, die sich mit einer Low-Code-Plattform nicht oder nur mit erheblichen Kompromissen umsetzen lassen.

Doch was wirklich zählt, ist die fundierte Analyse Ihrer Anforderungen, Ziele und Systemlandschaft. Erst dann lässt sich bestimmen, welcher Ansatz nachhaltig ist - für Ihr Unternehmen, Ihre Vision und Ihre digitale Zukunft.

Bereit für eine fundierte Entscheidung?

Bei Lucent Code unterstützen wir Unternehmen dabei, genau diese Weichen richtig zu stellen - mit technischer Expertise, strategischem Blick und einem Team mit langjähriger Erfahrung in der Softwareentwicklung für Unternehmen.

👉 Lassen Sie uns gemeinsam evaluieren, welcher Ansatz für Ihr Unternehmen der richtige ist.

Kostenloses Erstgespräch vereinbaren

Erfahren Sie mehr über unsere Expertise in den Bereichen:

Logo

© 2022-2026 Lucent Code GmbH
Made with ❤️ in Berlin, Germany